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Standseilbahn und Schwebebahn in Loschwitz

Loschwitz hat zwei historische Bergbahnen auf engem Raum. Die Standseilbahn fährt seit dem 26. Oktober 1895 vom Körnerplatz zum Luisenhof, die Schwebebahn seit dem 6. Mai 1901 nach Oberloschwitz. Beide gehören den Dresdner Verkehrsbetrieben, beide stehen unter Denkmalschutz, und die Schwebebahn gilt als älteste Bergschwebebahn der Welt.

Der Grund für gleich zwei Bahnen liegt im Gelände. Zwischen dem Ufer und der Hangkante liegen knapp hundert Höhenmeter, und Ende des 19. Jahrhunderts wuchs oben eine wohlhabende Wohnbebauung, während unten die Brücke und die Dampfschiffe ankamen. Wer Grundstücke am Hang verkaufen wollte, brauchte eine Verbindung. Die Standseilbahn kam zuerst, sechs Jahre später folgte die technisch ungewöhnlichere Lösung.

Die Standseilbahn

Am 26. Oktober 1895 nahm sie den Betrieb auf, zunächst mit Dampfantrieb. 1909 stellte man auf elektrischen Betrieb um, 1932 kam eine Oberleitung dazu. Die Strecke ist 547 Meter lang, meterspurig mit 1000 Millimeter Spurweite, überwindet rund 95 Höhenmeter und erreicht eine maximale Steigung von 29,8 Prozent. Eine Fahrt dauert fünf Minuten.

Auf diesen 547 Metern stecken drei Bauwerke: der 96 Meter lange Burgbergtunnel, ein 102 Meter langes Gerüstviadukt mit der Ausweichstelle, an der sich die beiden Wagen begegnen, und der 54 Meter lange Prinzeß-Louisa-Tunnel. Der Wechsel zwischen Dunkel und Licht ist der eigentliche Reiz der Fahrt.

Seit 1984 steht die Bahn unter Denkmalschutz. Sie wurde 1978 und 1979 generalsaniert, nach der Wende 1994 modernisiert und zum 125jährigen Bestehen 2020 und 2021 noch einmal rundum erneuert. 2014 nutzten rund 350.000 Fahrgäste die Strecke.

Wagen der Standseilbahn Dresden auf der Strecke zwischen Körnerplatz und Luisenhof
Die Standseilbahn auf der 547 Meter langen Strecke, meterspurig und seit 1895 in Betrieb. Foto: Norbert Kaiser, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Schwebebahn

Am 6. Mai 1901 eröffnet, gebaut nach dem System von Eugen Langen, das man sonst von der Wuppertaler Schwebebahn kennt. In Dresden wurde daraus etwas anderes: Die Wagen hängen zwar an einer Schiene, angetrieben werden sie aber über ein Zugseil wie bei einer Standseilbahn. Damit ist die Anlage die weltweit einzige Hängebahn, die keine Adhäsionsbahn ist.

Die Strecke misst 273,8 Meter und überwindet 84,2 Höhenmeter. Die durchschnittliche Steigung liegt bei 32,18 Prozent, die maximale bei 39,9 Prozent. Das Zugseil hat 38 Millimeter Durchmesser. Die Talstation am Körnerplatz liegt auf 124 Metern Höhe, die Bergstation in Oberloschwitz. Eine Fahrt dauert heute 4,5 Minuten, 1986 waren es noch drei.

1909 ersetzte ein Gleichstrommotor die Dampfmaschine. Zwischen 1984 und 1992 wurde die Anlage grundlegend saniert, teilweise mit Hubschraubermontage, weil das Gerüst anders nicht erreichbar war. 2001 und 2002 folgten Reparaturen und der Umbau der Bergstation, 2013 wurde das Großrad des Antriebs getauscht. Unter Denkmalschutz steht die Bahn seit 1975, 2007 war sie als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland nominiert.

Blick von der Bergstation Oberloschwitz auf die Strecke der Dresdner Schwebebahn und ins Elbtal
Blick von der Bergstation Oberloschwitz ins Tal. Die Wagen hängen an einer Schiene, gezogen werden sie von einem Seil. Diese Kombination gibt es weltweit nur einmal. Foto: Jörg Blobelt, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Wagen der Dresdner Schwebebahn bei der Einfahrt in die Talstation am Körnerplatz
Ein Wagen bei der Einfahrt in die Talstation. Die Wagen hängen an einer Schiene und werden von einem Seil gezogen. Foto: Norbert Aepli, Wikimedia Commons, CC BY 2.5
Grundstraße in Dresden Loschwitz mit der darüber verlaufenden Trasse der Standseilbahn
Die Grundstraße bergwärts, darüber die Trasse der Standseilbahn Richtung Luisenhof. Foto: Jörg Blobelt, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Beide Bahnen im Vergleich

Technische Daten der beiden Loschwitzer Bergbahnen
MerkmalStandseilbahnSchwebebahn
Eröffnung26. Oktober 18956. Mai 1901
Streckenlänge547 Meter273,8 Meter
Höhenunterschiedrund 95 Meter84,2 Meter
Maximale Steigung29,8 Prozent39,9 Prozent
Fahrzeit5 Minuten4,5 Minuten
BergstationLuisenhofOberloschwitz
Erste Elektrifizierung19091909
Denkmalschutz seit19841975
BetreiberDresdner VerkehrsbetriebeDresdner Verkehrsbetriebe

Vor der Fahrt prüfen

Fahrpläne, Preise und Betriebspausen für Wartungsarbeiten ändern sich. Beide Bahnen werden regelmäßig für mehrere Wochen außer Betrieb genommen. Die aktuellen Angaben stehen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben, die Bergbahnen sind dort als eigener Bereich geführt. Diese Seite verzichtet bewusst auf Preisangaben, weil sie schnell veralten.

Welche Bahn nehmen?

Wer den Blick sucht, nimmt die Standseilbahn. Oben am Luisenhof gibt es eine Aussichtsterrasse mit Blick über das Elbtal, das Blaue Wunder liegt genau im Bild. Wer die Technik sehen will, nimmt die Schwebebahn. In der Bergstation Oberloschwitz ist die Antriebsmaschinerie zugänglich, und die Fahrt selbst gibt einen ungewohnten Blick über die Hausdächer.

Zeitlich lässt sich beides gut verbinden. Die Talstationen liegen wenige Gehminuten auseinander, oben führt ein Weg über die Hangkante von der einen Bergstation zur anderen. Wer die Runde läuft, braucht mit Pausen etwa anderthalb Stunden.

Warum ausgerechnet hier zwei Bahnen entstanden

Die 1890er Jahre waren in Dresden das Jahrzehnt der Erschließung. 1893 stand die Brücke, und plötzlich war der rechte Elbhang von der Stadt aus in vertretbarer Zeit erreichbar. Grundstücke am Hang stiegen im Wert, oben entstanden Villen und Pensionen, und der Weiße Hirsch entwickelte sich zum Kurort. Wer dort investierte, hatte ein Interesse daran, dass Gäste und Bewohner nicht hundert Höhenmeter zu Fuß gehen mussten.

Die Standseilbahn von 1895 war die naheliegende Lösung, weil sich diese Technik in den Alpen bereits bewährt hatte. Die Schwebebahn von 1901 war das Gegenteil einer naheliegenden Lösung. Das System Eugen Langen kannte man aus Wuppertal, wo es über einem Fluss eingesetzt wurde. In Dresden übertrug man es auf einen Berghang und kombinierte es mit einem Seilantrieb. Herausgekommen ist eine Anlage, die es in dieser Bauart weltweit kein zweites Mal gibt.

Dass beide Bahnen noch fahren, ist keine Selbstverständlichkeit. Vergleichbare Anlagen in anderen deutschen Städten wurden zwischen den Weltkriegen oder in den 1960er Jahren stillgelegt und abgerissen. In Dresden überstanden sie beide Kriege, die DDR-Zeit und die Sanierungsstaus danach. Die Schwebebahn wurde zwischen 1984 und 1992 teilweise per Hubschrauber montiert, weil das Gerüst am Hang anders nicht zu erreichen war.

Was es bei einer Fahrt zu sehen gibt

In der Bergstation Oberloschwitz ist die Antriebstechnik der Schwebebahn zugänglich. Das Großrad, das 2013 getauscht wurde, gehört dazu. Wer sich für Maschinenbau interessiert, sollte oben Zeit einplanen und nicht direkt wieder einsteigen.

Bei der Standseilbahn liegt der Reiz auf der Strecke. Nach dem Burgbergtunnel öffnet sich der Blick auf dem Gerüstviadukt, dort begegnen sich die beiden Wagen an der Ausweichstelle, und danach schluckt der Prinzeß-Louisa-Tunnel den Zug wieder. Oben am Luisenhof gibt es eine Aussichtsterrasse, von der aus das Blaue Wunder und das Elbtal im Bild liegen.

Häufige Fragen zu den Bergbahnen

Gilt das normale VVO-Ticket in den Bergbahnen?

Die Bahnen gehören den Dresdner Verkehrsbetrieben, haben aber eigene Tarifregelungen, die sich von den Stadtlinien unterscheiden können. Vor dem Einstieg bei der DVB prüfen, welche Fahrscheine anerkannt werden.

Ist die Schwebebahn wirklich die älteste der Welt?

Als Bergschwebebahn ja. Die Wuppertaler Schwebebahn ging im selben Zeitraum in Betrieb, fährt aber im Flachen über der Wupper und ist eine reine Hängebahn. Die Dresdner Anlage überwindet einen Berghang und wird über ein Zugseil bewegt. In dieser Kategorie ist sie die älteste der Welt.

Wie kommt man zu den Talstationen?

Beide liegen in Fußnähe zum Körnerplatz, der über das Blaue Wunder und mit den Buslinien erreichbar ist. Details stehen auf der Anreiseseite.

Sind die Bahnen barrierefrei?

Beide sind historische Anlagen mit baulichen Einschränkungen. Die Zugänglichkeit unterscheidet sich je nach Station und wurde bei den Sanierungen nur teilweise verbessert. Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist, klärt das vorab mit den Verkehrsbetrieben.

Kann man die Strecken auch zu Fuß gehen?

Parallel zu beiden Trassen führen Wege den Hang hinauf. Für den Aufstieg sollte man je nach Tempo 20 bis 30 Minuten rechnen, und es sind knapp hundert Höhenmeter am Stück.

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