Die Geschichte von Loschwitz

Loschwitz war Winzerdorf, bevor es Villenvorort wurde. Die Stadt Dresden nennt 1315 als Jahr der urkundlichen Ersterwähnung und feierte 2015 das 700jährige Bestehen. Am 21. Januar 1921 verlor der Ort seine Selbstständigkeit. Dazwischen liegen sechs Jahrhunderte, in denen sich Weinbau, Fährbetrieb, Sommerfrische und Bürgerprotest ablösten.
Ein sorbischer Name und ein strittiges Datum
Der Name geht auf eine sorbische Siedlung zurück, die dort entstand, wo der Bach Trille die Elbe erreicht. Als alte Schreibweise ist Loscuice überliefert, abgeleitet möglicherweise vom Personennamen Lozek. Die heutige Schreibung Loschwitz ist seit 1571 belegt.
Beim Jahr der Ersterwähnung wird es unübersichtlich. Die Landeshauptstadt Dresden nennt 1315, und darauf stützte sich auch das Ortsjubiläum im Herbst 2015, zu dem der Ortsverein eine über tausendseitige Ortsgeschichte herausbrachte. Parallel kursiert die Angabe, Loschwitz sei bereits am 18. Oktober 1227 als Luzcwiz in einer lateinischen Urkunde des Meißner Bischofs Bruno II. genannt worden. Beide Daten stehen nebeneinander in der Literatur. Wer sicher gehen will, nennt 1315 als gesichert und 1227 als umstrittene ältere Nennung.
Sechshundert Jahre Wein
Der Weinbau am Elbhang reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück und wird mit Benno von Meißen verbunden. Über die Jahrhunderte war Loschwitz ein Ort von Winzern, Fährleuten und Mühlenbetreibern. Im Loschwitzgrund arbeiteten schon im 16. Jahrhundert mehrere Wassermühlen. Eine davon, die tiefstgelegene, gehörte von 1785 bis 1879 der Familie Hentschel und trug den Beinamen Rothe Amsel. Sie steht bis heute und beherbergt das Leonhardi-Museum.
Ab etwa 1850 setzte der Niedergang des Weinbaus ein. Die 1885 eingeschleppte Reblaus gab ihm den Rest und legte die Rebkultur am Loschwitzer Hang für rund hundert Jahre still. Erst 1984 fasste der damalige Kreistag den Beschluss zur Wiederaufrebung, im Sommer 1986 begannen die Rodungsarbeiten, und am 17. Juni 1987 gründeten 38 Leute die Weinbaugemeinschaft Loschwitz/Wachwitz.

Der Fotograf, der Loschwitz festgehalten hat
August Kotzsch kam am 20. September 1836 in Loschwitz zur Welt und starb am 23. Oktober 1910 am selben Ort. Er arbeitete zunächst im Weinbaubetrieb der Familie und lernte um 1860 bei seinem Nachbarn August Niemann das Fotografieren. Als Niemann 1861 starb, machte Kotzsch das Fach zum Beruf.
Er fotografierte mit dem nassen Kollodiumverfahren auf Glasplatten und schob für Aufnahmen im Freien einen Dunkelkammerwagen vor sich her, weil die Platten sofort nach der Belichtung entwickelt werden mussten. Seine Motive waren Landschaften rund um Loschwitz, Alltagsszenen, Handwerker und Bauern bei der Arbeit, Naturstudien und Porträts prominenter Besucher. Rund 550 Aufnahmen hielt er selbst für künstlerisch wertvoll, etwa 700 sind erhalten, der größte Teil davon in der Deutschen Fotothek.
Anerkennung bekam er zu Lebzeiten: eine Verdienstmedaille auf der Wiener Weltausstellung 1873 und den ersten Preis mit Ehrendiplom auf der Dresdner Gewerbeausstellung 1879. Wer wissen will, wie Loschwitz vor der Bebauung des Hangs aussah, schaut in seine Bilder.
Schiller kommt nach Loschwitz
Am 11. September 1785 traf Friedrich Schiller in Dresden ein, eingeladen von Christian Gottfried Körner, den er seit Juni 1784 kannte und der ihn aus einer finanziellen Notlage geholt hatte. Schiller blieb zwei Jahre. Körner besaß einen Sommersitz in Loschwitz, dessen Gartenhäuschen heute als Schillerhäuschen bekannt ist.
Die verbreitete Erzählung, Schiller habe dort die Ode an die Freude und Teile des Don Karlos geschrieben, lässt sich nicht belegen. Nachweisbar ist nur, dass er im Haupthaus und in der Stadtwohnung arbeitete. Das Gartenhäuschen bekam seinen Ruf trotzdem, und 1912 wurde daneben ein Denkmal eingeweiht, das an Schillers letzten Besuch von 1801 und an Theodor Körner erinnert, der 1813 in den Befreiungskriegen fiel. Der Vater Körner empfing in Loschwitz übrigens auch Mozart, 1789, und Goethe, 1790.
Der Hang wird bebaut
Mit dem Ende des Weinbaus kam die Bauspekulation. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckte das Dresdner Bürgertum den Elbhang als Wohnlage. Die alten Weinberge wurden parzelliert, die Terrassenmauern blieben und wurden Teil der neuen Gärten. An der Bautzner Landstraße 36 entstand 1881 die Villa Silvana nach Entwurf von F. Richard Schaeffer, an der Alpenstraße 7 wurde die Villa Alpenruhe 1892 gebaut und 1908 von Karl Reichpietsch nüchterner umgestaltet.
1893 kam die Brücke. Nach zwei Jahren Bauzeit und 2,25 Millionen Goldmark Kosten war die Verbindung zwischen Blasewitz und Loschwitz fertig, offiziell König-Albert-Brücke. Die Dresdner nannten sie Blaues Wunder, was sich auf die Farbe bezog, auf die ungewohnte Konstruktion und auf eine Redewendung, die eine unangenehme Überraschung meint. Skeptiker hatten mit dem Einsturz gerechnet.

Zwei Jahre später fuhr die Standseilbahn, ab dem 26. Oktober 1895 zunächst mit Dampfantrieb. 1898 stellte der Architekt Martin Pietzsch sein Künstlerhaus an der Pillnitzer Landstraße 59 fertig, auf dem Gelände des früheren Weinbergs Unger. Am 6. Mai 1901 nahm die Schwebebahn den Betrieb auf. Innerhalb eines Jahrzehnts hatte Loschwitz damit eine Brücke, zwei Bergbahnen und einen Ruf als Künstlerort.
Eingemeindung gegen den Willen der Einwohner
Am 21. Januar 1921 wurde Loschwitz nach Dresden eingemeindet. Die Formulierung in den Quellen ist eindeutig: Es geschah trotz heftiger Widerstände der Bevölkerung. Der Ort hatte sich als wohlhabende Landgemeinde mit eigener Verwaltung und eigenem Selbstverständnis eingerichtet. Die Ortsvereinsstruktur, die bis 1882 zurückreicht, überlebte diesen Verlust und wurde nach 1989 wiederbelebt.
Loschwitz im Zeitraffer
- 11. Jh. Weinbau am Elbhang, überliefert im Zusammenhang mit Benno von Meißen
- 1315 urkundliche Ersterwähnung nach Angabe der Stadt Dresden
- 1571 heutige Schreibweise Loschwitz erstmals belegt
- 1705 Baubeginn der Kirche nach Entwurf von George Bähr am 27. April
- 1708 Weihe der Loschwitzer Kirche am 3. August
- 1785 Schiller kommt am 11. September nach Dresden zu Körner
- um 1800 Anlage des Loschwitzer Friedhofs an der Pillnitzer Landstraße
- 1879 Eduard Leonhardi kauft die Hentschelmühle
- 1885 die Reblaus beendet den Weinbau
- 1893 Eröffnung der Loschwitzer Brücke, genannt Blaues Wunder
- 1895 Standseilbahn nimmt am 26. Oktober den Betrieb auf
- 1898 Künstlerhaus von Martin Pietzsch fertiggestellt
- 1901 Schwebebahn eröffnet am 6. Mai
- 1921 Eingemeindung nach Dresden am 21. Januar
- 1945 Zerstörung der Kirche in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar
- 1987 Gründung der Weinbaugemeinschaft Loschwitz/Wachwitz am 17. Juni
- 1991 Wiedergründung des Ortsvereins am 30. September
- 1994 Wiederweihe der Loschwitzer Kirche am 2. Oktober
- 2015 Ortsjubiläum 700 Jahre Loschwitz
Krieg, Zerstörung, langes Warten
In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 brannte die Loschwitzer Kirche aus. Übrig blieben die Außenmauern. Am Blauen Wunder ging es knapper aus: Eine SS-Einheit hatte die Brücke zur Sprengung vorbereitet, zwei Männer durchtrennten die Zündkabel. Die Brücke steht deshalb heute noch in ihrer ursprünglichen Konstruktion.
Der Wiederaufbau der Kirche zog sich über Jahrzehnte. Erst 1991 begannen die Arbeiten, am 29. Juni wurde symbolisch der Grundstein gelegt, und am 2. Oktober 1994 fand die Weihe statt. Dabei wurde die ursprüngliche altrosa Farbfassung wiederhergestellt und konstruktive Schwächen des Bährschen Entwurfs korrigiert.
Nach 1989
Aus den Bürgerkomitees der Wendezeit ging am 30. September 1991 der Ortsverein Loschwitz-Wachwitz hervor, der sich ausdrücklich in die Tradition des Ortsvereins Loschwitz von 1882 stellt. Im selben Zeitraum entstanden das Elbhangfest und, 1992, der Elbhang-Kurier als monatliche Zeitschrift für die Elbhanggemeinden. Das Leonhardi-Museum wurde 1991 städtische Galerie, das Josef-Hegenbarth-Archiv öffnete 1998 als Museum, das Schillerhäuschen 2005 nach Sanierung wieder.
Zweimal stand der Ort seither unter Wasser. Die Elbhochwasser von 2002 und 2013 überfluteten unter anderem den Loschwitzer Friedhof. Wer heute am Körnerplatz steht, findet an mehreren Häusern die eingeritzten Marken der Pegelstände.
Häufige Fragen zur Geschichte von Loschwitz
Seit wann ist Loschwitz urkundlich erwähnt?
Die Landeshauptstadt Dresden nennt 1315 als Jahr der urkundlichen Ersterwähnung, darauf stützte sich auch das Ortsjubiläum 2015. Daneben kursiert die Angabe einer Nennung als Luzcwiz am 18. Oktober 1227, die in der Literatur umstritten ist.
Woher kommt der Name Loschwitz?
Der Name geht auf eine sorbische Siedlung an der Mündung des Bachs Trille in die Elbe zurück, überliefert als Loscuice und möglicherweise abgeleitet vom Personennamen Lozek. Die heutige Schreibweise ist seit 1571 belegt.
Warum endete der Weinbau in Loschwitz?
Ab etwa 1850 setzte der Niedergang ein, die 1885 eingeschleppte Reblaus beendete den Weinbau am Loschwitzer Hang für rund hundert Jahre. Erst am 17. Juni 1987 gründeten 38 Leute die Weinbaugemeinschaft Loschwitz/Wachwitz.
Hat Schiller die Ode an die Freude im Schillerhäuschen geschrieben?
Das lässt sich nicht belegen. Nachweisbar ist nur, dass Schiller ab dem 11. September 1785 zwei Jahre bei Christian Gottfried Körner verbrachte und im Haupthaus sowie in der Stadtwohnung arbeitete.
Wann wurde das Blaue Wunder gebaut?
1893, nach zwei Jahren Bauzeit und 2,25 Millionen Goldmark Kosten. Offiziell hieß die Brücke König-Albert-Brücke, der Name Blaues Wunder setzte sich im Volksmund durch.
Wann wurde Loschwitz eingemeindet?
Am 21. Januar 1921, laut den Quellen trotz heftiger Widerstände der Bevölkerung. Vorher war Loschwitz eine wohlhabende Landgemeinde mit eigener Verwaltung.
Was geschah 1945 mit der Loschwitzer Kirche und der Brücke?
Die Kirche brannte in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 aus, übrig blieben die Außenmauern; die Wiederweihe fand am 2. Oktober 1994 statt. Das Blaue Wunder blieb erhalten, weil zwei Männer die von einer SS-Einheit gelegten Zündkabel durchtrennten.
